Meditation lernen

Was ist Meditation?

Meditation ist Kohärenz und mit Kohärenz ist hier die Einigung von Geist, Herz und Seele gemeint. Die Dreieinigkeit zu erzeugen – das ist das Ziel der Meditation. Meditation ist Ziel und Weg zugleich – Training und Prozess in einem:

Der Grat wird immer schmäler bis wir durchs nicht willentliche Wollen durch Alles ins Nichts und darüber hinaus gehen.

Die Faktoren der Meditation

Wie gestaltet sich nun dieses Training in dem Wir alle Wege einzeln und doch zugleich gehen? Nachfolgend werden einige Anregungen zum richtigen Training der Meditation anhand folgender Faktoren skizziert:

Motivation, Ort und Zeit, Meditationshaltung, Atmung, Gemüt, Energiefluss, Sinnestore, Aufmerksamkeit, Konzentration, Achtsamkeit, Geist, Herz, Verstand, Anstrengung und Wille

Die Motivation

Meditation kann viele positive Ergebnisse erbringen, die von Stressminderung über Konzentrationsförderung bis hin zur spirituellen Reifung führen.

Durch die Durchschauung des eigenen Wesens und Ablegung aller unheilsamer Gewohnheiten und falscher Anschauungen kann die große Freiheit von allen Zwängen gewonnen werden.

“Know thyself
and thou shall know
all the mysteries of the gods
and of the universe!”

– Oracle of Delphi

In den höheren Weihen bieten sich die Erkenntnisgewinnung und Weisheitsförderung bis hin zur Erlangung des Heilszustandes an. Die Krönung und Vollendung ist Befreiung von Alter, Krankheit und Tod als höchste Gabe.

Der Ort und die Zeit

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier … Freiheit ist alles andere als Gewohnheit und doch kann das Mittel der Gewohnheit anfangs genutzt werden um eine Meditationspraxis aufzubauen.

Die Regelmässigkeit und Ritualisierung der Praxis gewöhnt uns daran Disziplin aufzubauen. Ein schöner Ort, Räucherstäbchen, Mantras und ähnliches können ein Türöffner sein um mit Freude und Hingabe an die Praxis heranzugehen. Doch hier sei die Warnung ausgesprochen: „Das Ritual kann zum Hinderniss auf dem Weg der Befreiung werden!“.

Diziplin und Weisheit müssen das Ritual ablösen und wir müssen dazu übergehen an jedem Ort, zu jeder Zeit und unter allen Umständen unsere Praxis aufrecht erhalten zu können!

Man nimmt sich eine bestimmte Zeit für die Meditation vor und bleibt für diese Zeit in der Meditationshaltung, das fördert die Disziplin. Anfangs kann man mit 15 Minuten beginnen. Wenn man 3 Stunden in einer Meditationshaltung in einer Session ohne Bewegungen meditieren kann, so kann diese als gemeistert angesehen werden. Üblich ist es mindestens eine Stunde für die Meditation zu verwenden.

Die Meditationshaltung

Die ruhige und stetige Körperhaltung ist das Fundament der Meditation. Es ist möglich im Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen oder während einer Yogaroutine zu meditieren. Je nachdem welchen Gemütes einer ist fällt es schwerer oder leichter in einer bestimmten Körperhaltung zu meditieren.

Im Sitzen gibt es viellerlei Körperhaltungen: Auf dem Boden oder auf dem Stuhl, mit gekreutzten oder parallelen Beinen, überschlagen oder unterschlagen, mit offenen oder geschlossenen Händen und verschiedenen Mudras; alle diese Haltungen haben ihre ganz bestimmte Wirkung.

Der Meditationssitz soll ohne Schmerzen eingenommen werden können. Auch sollten die Gliedmasen nicht einschlafen, das ist ein Zeichen, daß der Energiefluß blockiert ist. Die Wirbelsäule sollte frei stehen und das Zwerchfell für die Atmung nicht blockiert sein. Der Sitz sollte frei von größeren Bewegungen und Zuckungen eingenommen und über die vorgenommene Meditationszeit gehalten werden können.

Oben angeführte Qualitäten beobachten und kontrollieren wir während der Meditation ständig, so das wir nicht in uns sacken oder unwillkürliche Bewegungen ausführen. Korrekturen sollten langsam und behutsam ausgeführt werden.

Die Atmung

Die Beobachtung des Atems beginnt mit dem Fühlen des Luftstromes durch die Nase und die Berührung der Luft an der Oberlippe. Die Tiefe des Atems wird beobachtet: Kurzer oder langer, tiefer oder flacher Atemzug. Die Aufnahme des Sauerstoffes und Abgabe des Kohlendioxides äussert sich im Pranafluß und in der Herzaktivität, sowie der Aufmerksamkeits- und der Konzentrationsfähigkeit.

Die Atmung ist ein Anker für den Geist und zugleich der Rythmusgeber für das Herz:

  • Wie lange kann ich meinen Atem beobachten ohne abzuschweifen?
  • Steure ich meinen Atem oder fliesst er natürlich?
  • Spühre und verstehe ich wie mein Herz- und Atemrythmus zusammenhängen?

Das Gemüt erziehen

Geduld und Langemut sind die Kardinalstugenden, die es ermöglichen sich lange und ausdauern einer Sache zu widmen. Zielstrebigkeit und die Beseitigung von unnötigen Beschäftigungen schaffen Zeit und Freiraum für das Meditationstraining. Das Herz muss befreit werden von weltlichen Sorgen und Ängsten, damit sich der Geist voller Hingabe auf die Meditation konzentrieren kann. Mit stetiger Übung wird das Meditationstraining von der Notwendigkeit zur Hingabe bis hin zur Freude entwickelt.

Den Energiefluß ermöglichen

Am Anfang empfielt es sich die Atmung und den Blutfluß durch die Gliedmassen zu beobachten und diese groben Energieströme beherschen zu lernen.

Der Energiefluß im Körper kann durch die Atmung gesteuert werden. Die Atmung sollte zu einem ruhigen Fliessen werden, das von der Scheitelspitze bis ins Steissbein reicht und wieder zurück. Dabei können durch Übung die subtilen Energiekanäle («Nadis»): Ida, Pingala und Shusumna gespürt und identifiziert werden. Doch es kann auch der Blutfluss, die Herzaktivität, der Sauerstoff-Kohlendioxid Kreislauf, der Hormonhaushalt und viele weitere Energieströme und deren Phänomene beobachtet werden.

Das Ziel ist es während der Meditation diese Energieflüße zu ermöglichen, die möglichen Blockaden zu identifizieren und durch die Bewusstmachung dem autonomen System unseres Körpers zu ermöglichen diese zu lösen und zu heilen – dadurch wird das Meditieren immer angenehmer und erholsamer.

Das Behüten der Sinnestore

Die Augen geschlossen zu halten und sich nicht durch Geräusche, Gerüche oder Taktile Eindrücke ablenken zu lassen ist der erste Schritt in der Beherrschung der Sinnestore. Diese Übung vertieft sich bis zum kompletten Pratyahara – dem Schliessen der Sinnestore – und dem Abwenden von den weltlichen Eindrücken.

Die Aufmerksamkeit ausdehnen

Anfangs können kleine Regionen am Körper abgetastet werden, dann größere, dann bewegt man den Aufmerksamkeitsfokus über den Körper, dann immer schneller bis der ganze Körper immer detallierter im Bewusstsein erscheint.

Nicht nur die körperlichen Gefühle können beobachtet werden, sondern alle Aktivitäten: Gedanken, Gefühle, Augenbewegungen, Sehen, Hören usw. Alles was wahrgenommen werden kann ist mit Aufmerksamkeit versehen – im Gegensatz kann die Aufmerksamkeit abgezogen werden und diese Wahrnehmung aber auch ausgeblendet werden,

Die Konzentration fördern

Konzentration heisst etwas verdichten und in diesem Fall verdichten wir die Aufmerksamkeit bis nur noch ein Objekt im Bewusstsein ist. Das Spiel mit dem Aufmerksamkeitsfokus und dem Bewusstsein kann bis zur Einspitzigkeit getrieben werden: Selbst eine Zelle des Körpers kann mit geschlossenen Augen wahrgenommen werden und im Gegensatz kann mit geöffneten Augen der Fokus so weit geöffnet werden, das der ganze Raum des Sehens sich öffnet – zu einer Einheit wird und in goldenem Glanz erstrahlt.

Die Achtsamkeit entwickeln

Achtsamkeit ist eng verbunden mit der Aufmerksamkeit und der Konzentration. Achtsamkeit heist Alamiertheit – heisst auf was achte ich – was erlaube ich in meinem Bewusstsein zu erscheinen – heisst das Flackern des Bewusstseins zu unterbinden – heist Mühelosigkeit in der Konzentration zu erlangen – heist den Flußeintritt kennen zu lernen – heist den stetigen Fluß zu erreichen – Flußeintritt.

Die Ansichten des Geistes bilden

Das Beobachten der Gedanken, die im Geiste aufsteigen und das Registrieren der Gefühlsregungen im Körper bildet bei zunehmender Rücknahme der Reaktionen in den Rührungen des Körpers und Kommentierungen des Geistes mit vorgefertigten Meinungen neue reinere Ansichten.

Dazu muss der Geist lernen die Regungen des Herzens zu bemerken ohne sofort darauf zu reagieren:

  • Nicht ärgern und nicht aufregen sind die Vorboten des Gleichmutes.
  • Die Transformation von Neid in Mitfreude und Ärger in Mitleid sind Teil der Medizin für die Befreiung des Herzens und der Gewinnung der richtigen Ansichten.
  • Die Weisheit über die Ursachen der negativen Gefühle sind der Schlüssel für die Befreiung des Herzens.
  • Liebevoll und voll Weisheit widmet er sich dem Herzen und besänftigt es mit edlem Gleichmut.

Die Erziehung des Herzens

Das Herz ist die Quelle der Gefühle aber es ist auch die Quelle des Bewusstseins. Dies zu Erfahren ist eines der Puzzleteile zur Erleuchtung.

Das Herz wird geschmeidig gemacht, indem die Tendenzen des Herzens kennen gelernt werden und mit Weisheit und Diziplin das Herz beruhigt wird. Unedle Neigungen wie Haß und Gier aufgedeckt und abgewöhnt werden: Das ist wie wenn man einem Kind den Schnuller abgewöhnt – viel Geduld und Durchhaltevermögen sind nötig um durch den Gefühlsdussel hindurchzudringen und alte, unschöne Gewohnheiten abzulegen!

Das edelste Geschmeide, kostbarer als alles Gold und Edelsteine der Welt und Juwel der Wunscherfüllung ist ein offenes, geschmeidiges und weises Herz ohne Anhaftung.

Das Verstehen erlangen

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

„Gedanken ohne Inhalt sind leer,
Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“

– Immanuel Kant

Der Verstand kann wie ein Sinnesorgan angesehen werden. Er kann trainiert werden und will mit Wahrheit gefüttert werden um die richtigen Ansichten zu bilden.

Der Verstand arbeitet ganz ohne das Zutun des »Ichs« – wenn man es genau nimmt ist das Ego, das sich im »Ich-Denken« äussert eine Verirrung. Ahamkara, der »Ich-Macher« ist wie ein Magnet und eignet sich alle Aktivität an und setzt sich selbst auf den Posten des Akteurs, dabei ist er ein Diener, keinesfalls der König. Dies bedeutet jedoch nicht, das der Verstand der Feind ist, ganz im Gegenteil kann er bei liebevoller Behandlung ein guter Freund und Helfer sein, wenn er als das erkannt wird was er ist.

Richtig trainiert kann immer mehr zugleich in die Aufmerksamkeit unseres Bewusstseins aufgenommen werden und durch den Verstand mühelos verarbeitet werden: Bemerken, Ausrichten, Erkennen, Vernetzen, Verstehen (Begriffe), Weisheit (ohne Worte), Pannja – das ist eine Skizze des Prozesses der Erlangung der Transzendens der gewohnten Phänomene.

Das scheinbare Paradox zulassen und das willenlose Durchschreiten der torlosen Tore sollte eine Maxime des Verstandes sein, damit das Verstehen und damit die Weisheit entstehen kann.

Vorstellungen und Geglaubtes werden im Prozess der Vipassana Meditation durch wahre Weisheit ersetzt!

Die Balance der Anstrengung

Weder zuviel, noch zu wenig darf die Anstrengung während der Meditation sein – nicht in Mattigkeit verfallen und nicht in Aufregung geraten.

Wenn wir immer länger ohne zu ermüden in der Meditation verharren können und die Klarheit des Bewusstseins zunimmt sind wir auf dem richtigen Weg.

Tipp: Ein tieferes Einatmen oder auch das Ziehen an den Ohrläppchen vertreibt die Müdigkeit.

Wie beim Erlernen des Musizierens mit einem Instrument sind die Nuancen der Meditation kennen zu lernen und gegeinander und miteinander ins Gleichgewicht zu bringen – mit immer weniger Anstrengung bis hin zur Leichtigkeit des Flows.

„… stetig, ohne zu strampeln …“

– Buddha Gauthama

Das willenlose Wollen

Es ist wie wenn man ein Kartenhaus baut: Geduldig stellt man zuerst zwei Karten aneinander, dann ein zweites Paar, während man das erste hält und legt eine Karte oben auf – je weiter das Haus wächst desto ruhiger müssen die Hände werden und desto weniger Kraft sollte aufgewendet werden, aber das Geschick muss zunehmen und Beides in Balance gehalten werden. Wenn nur ein Kartenpaar schief steht kann das ganze Haus ins wackeln geraten und einstürzen. Dann muss von Neuem begonnen werden – um einige Erfahrung reicher und mit etwas mehr Geschick und Geduld wächst das Haus jedes mal etwas höher und wird stabieler.

Niemals aufgebend, aufgehen im willenlosen Wollen entwickeln sich die Faktoren in gegenseitiger Abhängigkeit bis wir zur Leichtigkeit der meditativen Versenkung gelangen und uns zu immer höherer Reinheit emporschwingen.

Vom Teil zum Ganzen gelangen …

Alle beschriebenen Faktoren haben Beobachtungs- und Verständnistiefen – von grob bis fein und von autonom über intuitiev bis zum bewussten Verständnis. Sie stehen in Abhängigkeit zueinander und beeinflussen sich gegenseitig: Wie ein multidimensionales Netz mit Knoten und Strängen, das zugleich eine Spirale mit einer unendlichen Tiefe und Höhe ist, das sich in sich spiegelt, sich in sich windet und dabei eine immer komplexere Einfachheit in seiner fraktalen Emergenz gewinnt.

fraktales, emergentes Spirallnetz
Das fraktale, emergente Spirallnetz der Meditation und der Erkenntnis