Das Hohelied der Liebe

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

Und wenn ich prophetisch reden könnte / und alle Geheimnisse wüsste / und alle Erkenntnis hätte; / wenn ich alle Glaubenskraft besäße / und Berge damit versetzen könnte, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich nichts.

Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte / und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, / hätte aber die Liebe nicht, / nützte es mir nichts.

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf.

Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.

Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand.

Die Liebe hört niemals auf. / Prophetisches Reden hat ein Ende, / Zungenrede verstummt, / Erkenntnis vergeht.

Denn Stückwerk ist unser Erkennen, / Stückwerk unser prophetisches Reden;

wenn aber das Vollendete kommt, / vergeht alles Stückwerk.

Als ich ein Kind war, / redete ich wie ein Kind, / dachte wie ein Kind / und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, / legte ich ab, was Kind an mir war.

Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

I Cor. XIII, 1-8

Selbstfürsorge und Selbstliebe

“Die Schale der Liebe”

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal,
der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,
während jene wartet, bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen, und dann ausgießen.

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle,
wenn nicht, schone dich.

(von Bernhard von Clairvaux)

O’ Fortuna

Die Carmina Burana ist eine Sammlung von Lied- und Dramentexten, die in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern gefunden wurden. Die Entstehung der Sammlung wird ins 11. und 12. Jahrhundert datiert. Die nachfolgende Übersetzung eines Ausschnittest der ‚O Fortuna‘ ist eine musikalische Interpretation, die auf diese Textsammlung zurückgeht und von Carl Orf gedichtet wurde.

Der Text ‚O Fortuna‘ beschreibt die Wankelmütigkeit des menschlichen Gemütes und das daraus entstehende Schicksal mit seinen Freuden und Leiden des Lebens, sowie die Sehnsucht das Rad des Schicksals zu verlassen und Herr seines eigenen Geschickes zu sein.

Adam und Eva – Eine Interpretation

… und Gottes Geist schwebte über den Wassern. Er erschuf Himmel und Erde und erfreute sich daran. Doch es lebte nicht – also erschuf er die Pflanzen, Tiere, Insekten, Fische, Vögel und andere Wesen. Dieser Garten lud zum verweilen ein und so wurde er zu Fleisch und Blut – Adam ward geboren. Weil es so schön war wünschte er sich einen Gefährten, der ihn ergänzte und die Frau erschien im Paradies.